Theanin – Thein/Koffein – Tannin – Vitamin C – EGCG

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So wie ich es verstehe und den Zusammenhang erkläre.

Theanin ist eine Aminosäure, die nur in der Teepflanze gebildet wird. Diese Aminosäure kommt besonders im grünen Tee vor und macht etwa 6% der Trockenmassen bei grünem Tee aus.

-Theanin ist wesentlich für den Geschmack des grünen Tees verantwortlich, dessen aromatisches Spektrum von rauchig, über moosige Töne, dem Duft nach frischem Heu, bis zu den duftigen, zart süßen Tönen des Gyokuro reicht. Letzteres nennt man in Japan „umami“, übersetzt heißt dies „angenehmer Geschmack“.

- Theanin schwächt die herbe Komponente des grünen Tees ab, die auf seinen Gehalt an Polyphenolen (Gerbsäuren) und des Koffein zurückzuführen sind.

- Theanin gleicht die Wirkung (nicht die Menge!) des Koffeins im grünen Tee aus, indem es der stark anregenden Wirkung des Koffeins eine entspannende Wirkung in unserem Gehirn in Gang setzt. (siehe unten „Anmerkung –Ausblick“)

- Es gibt verschiedene Methoden den Theaningehalt im grünen Tee zu beeinflussen. Am bekanntesten ist die Beschattung des Tees, wie sie zum Beispiel beim Kabuse Cha und beim Gyokuro erfolgt. Als gewünschter Nebeneffekt bildet sich bei dieser Anbaumethode auch verhältnismäßig viel Koffein.

Thein/Koffein Der im grünen Tee enthaltene anregende Wirkstoff, umgangssprachlich  als Thein bezeichnet, ist in seiner Reinform Koffein, ein weißes geruchloses Pulver. Der Unterscheidung zwischen Koffein im Kaffee und Koffein im Tee beruht auf der unterschiedlichen Freisetzung in unserem Körper:

-Koffein im (Roh-) Kaffee ist an einen Chlorogensäure-Kalium-Komplex gebunden, der nach dem rösten des Kaffees und dem Kontakt mit der Magensäure sofort Koffein freisetzt, vom Körper aufgenommen werden kann und für ca. 20 Minuten intensiv wirkt. Danach ist die Wirkung des Koffeins verbraucht.

-Koffein aus Tee, das so genannte Thein ist an Polyphenole (Gerbstoffe) gebunden. Erst im Darm und über einen längeren Zeitraum kann das Koffein des Tees langsam durch Abspaltung der Polyphenole vom Koffein  freigesetzt werden. Die Wirkung tritt erst später ein (ca. 20 Minuten nach dem Trinken des Tees, so lange braucht der Tee um den Magen zu passieren) und hält dann aber länger an (bis zu 2 Stunden). Ich benutze aus diesem Grund gerne die etwas altmodische, aber meiner Meinung nach bessere, Bezeichnung Thein wenn ich vom Koffein des Tees spreche.

Vereinfacht könnte man sagen:

Das Koffein (des Kaffees) wirkt schnell, intensiv und kurz.

Das Thein wirkt langsam, sanft/ausgeglichen über einen längeren Zeitraum

Tannin, das etwa ca. 33% der Trockenmasse des Grüntees ausmacht, gehört zu den Gerbstoffen (Polyphenolen), die die Teepflanze bildet. Eine der Untergruppen der Gerbstoffe im grünen Tee sind die Catechine zu denen das vielbeachtete EGCG (EpiGalloCatechinGallat) gehört.

- Tannine sind für den herben Geschmack des grünen Tees verantwortlich. Sie bilden sich vor allem unter direkter Sonneneinstrahlung. Die Teepflanze versucht sich mit ihrer Hilfe gegen die Strahlung des direkten Sonnenlichtes zu schützen. Vor allem Blätter, die lange der Sonne ausgesetzt waren, haben daher einen hohen EGCG und Vitamin C Gehalt.

Die beiden typischen Tees, die diese Eigenschaft (hoher EGCG und hoher Vitamin C Gehalt) haben, sind,  unter vielen Anderen, Sencha und Bancha. Anders als beim so genannten Schatten Tees, wird der Teestrauch aus dem Sencha und Bancha gewonnen wird, niemals als Schattentee angebaut. Die Pflanze wird immer der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Während Sencha eher normal viel Koffein hat, hat Bancha von allen naturbelassenen Grünteesorten am wenigsten Koffein, da durch den Reifungsprozess in der Teepflanze das Koffein weitgehend abgebaut wir. Bancha ist daher hervorragend für die Grün-Teetrinker geeignet, die an späten Nachmittagsstunden oder am Abend keine anregende Wirkung des Tees haben wollen.

Nutzanwendung:

=> frei wachsender Tee (z.B. Sencha oder Bancha) leicht bitterer Geschmack - für Grüntee normaler Koffeingehalt (Sencha) – sehr wenig Koffeingehalt (Bancha) – für beide Tees gilt tendenziell hoher Gehalt von Vitamin C und EGCG.

=> Schattentee (z.B. Gyokuro) duftig, zarte Süße – umami – wenig bis keine Bitternis - hoher Koffeingehalt mit gleichzeitig hohen (entspannenden) Theaningehalt  => anregend und entspannend.

Anmerkung - Ausblick:

Es ist (vermutlich) nicht so, dass,  wie früher vermutet, das Theanin die Wirkung des Koffeins aufhebt oder abschwächt. Vielmehr hat das Theanin eine entspannende Wirkung, was auf die Anregung so genannter alpha-Wellen im Gehirn zurückzuführen sein soll. So dass das Koffein im Zusamenspiel mit dem Theanin im Tee zu einer gleichzeitig wachen (Koffeinwirkung) als auch entspannten (Theaninwirkung) Situation beitragen. Ein Beleg dafür könnte die Tatsache sein, dass viele geistig ausdauernt arbeitende Menschen oft Tee den Kaffee vorziehen. Insbesondere Schattentees (hoher Koffein / hoher Theaningehalt) wird meines Wissens in der „Künstlerszene“ bevorzugen.

Es gibt über das Zusammenspiel von Koffein-Theanin bereits Untersuchungen, die man unter Laborbedingungen gemacht hat. Der genaue wissenschaftliche Zusammenhang ist so viel ich weiß noch nicht schlussendlich geklärt und wird mir aufgrund seiner wissenschaftlichen Komplexität wohl auch verschlossen bleiben. Ich denke, dass das über Jahrtausende gewonnene Erfahrungswissen des Teetrinkens vollumfänglich für die praktische Anwendung des Grünen Tees ausreicht. Über diesen gesamten Komplex an andere Stelle und später mehr.

(Ich habe mit meinen bescheidenen Mitteln viel Zeit dazu verwandt obige Zusammenhänge möglichst einfach und verständlich, aber dennoch in ihrer Komplexität (hoffentlich) richtig darzustellen. Über Anregungen aus meinem Kundenkreis zur Verbesserung des Verständnisses dieser Seite würde ich mich sehr freuen.)